27.06.2017

Rehkitze in der Osterholzer Feldmark zerstückelt und elendig verendet

Kein Schutz für Wildtiere: Noch bis zum 15. Juli gilt die offizielle Brut- und Setzzeit, die Zeit, in der sich die Wildtiere um ihren Nachwuchs kümmern. Bodenbrütende Vögel bevorzugen dabei hoch gewachsenes Gras und auch Hasenweibchen und Ricken legen hier gern ihren Nachwuchs ab.

Doch was Jahrtausende lang Schutz und Sicherheit gewährt hat, wird jedes Jahr zur tödlichen Falle. Denn trotz der Brut- und Setzzeit werden wieder vielerorts Wiesen und Weiden gemäht – leider oftmals, ohne den Tieren eine Chance zu geben, ein anderes Versteck aufzusuchen.

 

In der Osterholzer Feldmark fielen jetzt gleich mehrere Kitze den Mähmaschinen zum Opfer. Sie verendeten qualvoll. Der zuständige Gebietsjäger war – wieder einmal – nicht informiert worden, so dass die Tiere keine Chance zur Flucht hatten.

„Es ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, solle aber die Regel sein, dass wir ein oder zwei Tage vor dem Mähen informiert werden“, so der zuständige Gebietsjäger. „Dann haben wir die Möglichkeit, das Gebiet früh genug mit den Hunden abzulaufen. Die Rehe nehmen die Witterung auf und bringen ihren Nachwuchs an einen anderen Ort. Unabhängig davon sollte in der Brut- und Setzzeit gar nicht gemäht werden, idealerweise sogar erst im August, denn frühestens ab Mitte Juli haben die Kitze einen Fluchtinstinkt entwickelt.“

„Wir sind entsetzt über dieses Drama, das sicher kein Einzelfall ist“, so Brigitte-Wohner Mäurer, Vorstandsmitglied beim Bremer Tierschutzverein. „Es ist für uns absolut unverständlich, dass nur aus Desinteresse oder Gleichgültigkeit die Tiere so qualvoll sterben müssen.“

Hinzu kommt, dass es sich bei einigen Gebieten auch  um öffentliche Flächen handelt. „Wir appellieren daher dringend an die Stadt Bremen, keine Mähaufträge in dieser Zeit in Auftrag zu geben. Zudem sollte auch die Stadt verantwortlich handeln und entsprechend Vorsorge betreiben“, so Brigitte Wohner-Mäurer.

Schätzungen zufolge sterben durch die Mähfahrzeuge jährlich bundesweit mindestens 500.000 Wildtiere - darunter allein 100.000 Rehkitze. Dabei können tausende Tiere vor dem grausamen Tod bewahrt werden, wenn Landwirte entsprechende Schutzvorrichtungen schon frühzeitig einsetzen. „Es fehlt an gezielter Koordination und frühzeitiger Vorsorge“, so Brigitte Wohner-Mäurer. Hier muss dringend umgedacht werden!

Ebenso ist ein Umdenken in der Landwirtschaft erforderlich: Durch angepasste Mahd haben Wildtiere mehr Chancen, sich aus den Wiesen und Feldern zurückzuziehen. Je später die Mahd erfolgt, desto mehr Chancen haben die Tiere, sich in die Wälder zurück zu ziehen. Auch elektronische Hilfsmittel, zum Beispiel sogenannte „Wildretter“  oder gut ausgebildete Hunde können eingesetzt werden.

Die Gefahr, die von modernen Mähwerkzeugen auf den Feldern ausgeht, können die Tiere nicht abschätzen. Viele Wildtiere haben Felder und Wiesen als Unterschlupf gewählt. Besonders Ricken lassen im vermeintlichen Schutz des hohen Grases ihre Kitze zurück. Die Tiere sind angesichts des plötzlich auftretenden Lärms und dem Näherrücken von landwirtschaftlichen Maschinen hilflos. Geduckt geraten sie unter die scharfen Klingen der Mähmaschinen und erleiden schwere Verletzungen, die oftmals tödlich sind.

Allein in der Osterholzer Feldmark sind es fast die Hälfte der Rehkitze, die qualvoll verenden, weil man ihnen keine Chance gibt …. 

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