18.08.2020

Am 19. September soll ein großes Bürgerfest auf der Galopprennbahn stattfinden. Einer der Höhepunkte soll ein Pferderennen sein. Der Bremer Tierschutzverein appelliert an die Veranstalter, auf das Rennen zu verzichten und bittet die Bürger*innen, solch ein Fest nicht zu besuchen.

Ein Bürgerfest mit Tierqual - so ist es von den Veranstaltern geplant. "Wir sind entsetzt, dass ein "Bürgerfest" mit offensichtlichem Tierleid gefeiert werden soll", so Brigitte Wohner-Mäurer, Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins. "Seit 2018 gibt es auf der Galopprennbahn keine Pferderennen mehr, und wir hoffen sehr, dass das auch so bleibt. Sich nun auch noch zu wünschen, dass das Schaurennen im September ein neuer Anfang sein soll, ist grotesk."

Etwa eine Million Zuschauer zieht es in Deutschland jährlich alleine zu Galopprennen. Wer genau hinsieht, muss jedoch erkennen, dass die Grenzen zwischen Sport und Tierquälerei inmitten solcher Events verschwimmen. Die Tiere werden mit tierschutzwidrigem Zubehör auf brutale Art und Weise zu mehr Gehorsam und Schnelligkeit angetrieben. Sowohl auf der Rennbahn als auch beim Training kommt es immer wieder zu Unfällen, die die Pferde mit ihrem Leben bezahlen. Verletzte, nicht mehr erfolgreiche oder zu alte Pferde sind für die Rennen nicht mehr brauchbar und werden „aussortiert“.

Die Pferde müssen häufig schon mit zwei Jahren ihre ersten Galopprennen laufen – zu einem Zeitpunkt, zu dem Pferde sonst noch nicht einmal zugeritten werden. Dabei müssen die Vollblüter enormen Stress und extreme körperliche Belastungen aushalten und ihrer blanken Angst vor den Startboxen wird mit Schlägen, Hauben und Scheuklappen begegnet. Die Pferde müssen rennen, koste es was es wolle. Die Rennen selbst sind hoch riskant, die Verletzungsgefahr immens. Den Pferden werden permanente Höchstleistungen abverlangt, egal ob beim Training oder beim Rennen. Viele Pferde erleiden Sehnenverletzungen. Filmaufnahmen von Pferden, die sich mitten im Rennen das Bein brechen, sind kaum zu ertragen. Die Tiere müssen meist noch vor Ort getötet werden.

Galopprennen sind in Deutschland nach dem Fußball die lukrativste Sportart – 2016 lag der Wettumsatz bei 26 Millionen Euro. Bei solchen Summen spielt der Tierschutz eine verschwindend kleine Rolle. Der Erfolgswille geht auf Kosten der Tiere. Zwischen 2015 und 2019 starben insgesamt 50 Pferde durch Verletzungen bei Pferderennen, zahlreiche Pferde zeigten noch während der Rennen Lahmheiten. Nasenbluten, das bei vielen Pferden festgehalten wurde, lässt auf Lungenbluten durch die extreme Anstrengung schließen.

Der Bremer Tierschutzverein hofft daher sehr, dass weder beim geplanten Bürgerfest, noch in Zukunft, Galopprennen in Bremen stattfinden werden.

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